Gesamtkunstwerk Zwiefalten Die barocke Fassade der Abteikirche des ehemaligen Benediktinerkonvents Zwiefalten wächst als gewaltiges Portal in die Höhe. Jedem Besucher wird eindrucksvoll schon in der Bauform die Heiligkeit des Ortes veranschaulicht: ”Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels (Gen. 28.17). Dieser Satz Jakobs nach seiner Traumvision
von der Himmelsleiter, war offensichtlich das leitende Motiv bei der Gestaltung der Westfront des Gotteshauses im 18. Jahrhundert. Die Abteikirche gilt als Beispiel eines barocken Gesamtkunstwerkes. Die unterschiedlichen Kunstgattungen, die Architektur, die Stukkatur, die Bildhauer und die Malerei fügen sich zu einer Einheit zusammen, bei der kein einziger Beitrag ohne substanziellen Verlust des Ganzen weggedacht werden kann. Ein ganzes Dorf mußte also der Neugründung weichen und wurde dem Erdboden gleich gemacht. Dies mag uns heute erschrecken; es wird nur verständlich, wenn das ganze
symbolische Gewicht dabei bedacht wird: Etwas ganz und gar Neues sollte entstehen, ein Haus Gottes errichtet, eine Gottesstadt erbaut werden. ES ging um die Realisierung eines geistigen Programmes, das unbeeinflußt und unbeeinträchtigt durch Reste von Altem zur Wirkung kommen sollte. Mit der selben Radikalität wurde im 18. Jahrhundert das der imposante Kirchenbau im sogenannten Hirsauer Stil abgerissen und statt dessen die heutige barocke Anlage errichtet. Der Bauernstreik Doch nun hatten die Untertanen die Nase voll von den adeligen Machtspielchen: in aller Heimlichkeit verließen die Bauern von Ehestetten und Zwiefaltendorf ihre Häuser, nahmen von ihrer Habe, soviel sie tragen konnten mit und flohen im Morgengrauen in die umliegenden Dörfer. Jahrelang hielt dieser Zustand an. Die Bauern weigerten sich zurückzukommen und auch als Württemberg wegen des unnachgiebigen Verhaltens von Wilhelm Dietrich eine Zwangsverwaltung über die Spethschen Güter einsetzte, blieb das Tischtuch zerschnitten: nur noch ihre Überschüsse, nicht aber die fälligen Zehnten und andere Abgaben wollten die Untertanen ihrem Grundherren zukommen lassen. Später, im Jahr 1615, nach Wilhelm Dietrichs Tod, wurde das Testament, das für so viel Unruhe und Streit gesorgt hat, vom württembergischen Lehenshof endlich für null und nichtig erklärt. Jedoch mußten die Söhne des Unruhestifters die Hälfte von Zwiefaltendorf künftig dem Herzogtum Württemberg als Lehen überlassen: genug Anlaß für Zwist und Streitigkeiten bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinein. Beuron | Thiergarten | Sigmaringen | Scheer | Bad Saulgau | ||
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