Der Mörike-Pfad in Scheer

Eduard Mörike (1804-1875) war von der Familie zum geistlichen Beruf bestimmt. Doch er selbst fühlte sich mehr dem "Poetischen" zugeneigt. So richtete der 23-jährige Vikar im Herbst 1827 ein Urlaubsgesuch an den württembergischen König, "aus Gesundheitsgründen auf unbestimmte Zeit". Er wollte sich über seine Begabung zum Dichter klarwerden. Oberschwaben schien ihm dafür genau richtig. Hier lebten nahe Verwandte, die ihn als geistreichen Gesellschafter und klugen Kopf schätzten. Als erstes besuchte Eduard Mörike seinen Bruder Karl in Scheer an der Donau. Er blieb dort von Februar bis Mai 1828. Karl Mörike, der älteste der Geschwister Eduards, hatte die Stelle eines Amtmanns in Thurn- und Taxisschen Diensten inne.

Der Besuch Eduards brachte eine willkommene Abwechslung in das abgeschiedene Familienleben des Bruders. Seiner Schwägerin Dorothea widmete er eine Sammlung von 23 Gedichten, das sogenannte "Grüne Heft". Eduard begleitete seinen Bruder häufig bei dessen Amtsgeschäften. In dieser Zeit scheiterte eine Bewerbung bei dem berühmten Stuttgarter Verleger Cotta. Mörike bat um Verlängerung seines Urlaubs. Mit dem katholischen Pfarrer von Scheer, Michael Wagner, hatte er sich inzwischen angefreundet und hielt sich häufig in dessen Garten auf. Der Blick auf die Donau und die Frühlingssonne inspirierten ihn zu den Zeilen:

Da lieg ich auf dem Frühlingshügel,
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus!
Ach, sag' mir, alleinzige Liebe,
Wo Du bleibst, daß ich bei Dir bliebe!
Doch, Du und die Lüfte - haben kein Haus.

In seinen autobiographischen Aufzeichnungen "Erinnerungen an Erlebtes" finden sich auch Notizen "aus dem Scheerer Leben" mit der Erwähnung von "Litterae erot.", also von Liebesbriefen, die er in jener Zeit geschrieben hat. Das Objekt seiner Anbetung blieb allerdings unbekannt.

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