Der historische Hängegarten von Neufra/Donau

"Was hängt eigentlich beim Hängegarten?", fragen immer wieder Besucher der mächtigen Anlage in Neufra. Die Bezeichnung ist seit den Zeiten der babylonischen Königin Semiramis ebenso beliebt wie irreführend. Denn die Weltwunder-Hängegärten waren auch eher Terrassen- beziehungsweise Dachgärten. In der Zeit von 1569 bis 1573 schuf Graf Georg von Helfenstein vor dem Schloß Neufra mit Hilfe seiner 202 Leibeigenen diesen Hängegarten. Vor dem Schloß wurde eine Plattform errichtet, mit Blick in das weite Schwarzach- und Donautal. Getragen wird das Ganze von einem gewaltigen Unterbau. Der bestand aus vermutlich sechzehn Gewölben, jedes zwischen neun und elf Metern hoch, gefertigt aus Bruch- und Backsteinen.

Sieben dieser Gewölbe sind heute wieder begehbar. Dazu mußte tonnenweise Schutt ausgeräumt und schadhafte Stellen ausgebessert werden. Die übrigen Gewölbe blieben aufgefüllt, stellen aber eine Verbindung zur Bergnase her, auf der Kirche und Schloß Neufra stehen. An dieser Bergnase "hängt" der Garten. Letztendlich war dieser Unterbau auch erforderlich, um das gesamte Bauwerk vor dem Abrutschen ins Tal zu bewahren. Enorme Vorarbeiten mußten geleistet werden bis zur Neuanlage des Gartens. Sträucher und lose Steine wurden entfernt, die Mauern ausgebessert oder neue hochgezogen. Dann kam Verputz darauf, die Maler gingen ans Werk. Schließlich wurden die Mauern mit neuen Biberschwänzen gekrönt. Dann trug man das gesamte Erdreich über den Gewölben ab, brachte eine stabile Folie zur Isolation auf, installierte Drainage und Wasserleitung, schüttete Kies und Erde auf und befestigte die Einfassungen der Beete.

Daß sich der Hängegarten heute wieder in seinem historischen Zustand präsentiert, verdankt er einer kleinen Skizze aus dem Fürstlich Fürstenbergischen Archiv in Donaueschingen. Sie diente den Gärtnern bei der Neubepflanzung der Beete als Vorlage.

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