Ehingen im Wandel der Zeiten

Schon in alemannischer Zeit gab es wahrscheinlich eine Siedlung an dem Ort, der im Jahr 961 erstmals als "Ehinga" in einer Urkunde erwähnt wurde. Um 1230 haben die Grafen aus dem nahen Berg dann die Stadt Ehingen gegründet. Der letzte männliche Sproß des Geschlechts verkaufte 1343 oder 1346 seine gesamten Herrschaften, nämlich Ehingen, Schelklingen und Berg mit den zugehörigen Städten an das Haus Habsburg. In der Folgezeit wurde Ehingen mehrfach an verschiedene Adelige verpfändet, doch gelang es den Bürgern nach und nach zahlreiche Privilegien und Freiheiten zu erwerben und schließlich einen bemerkenswerten Grad von Eigenständigkeit zu erlangen. In der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg erlebte die Stadt ihre "Goldene Zeit", mit wirtschaftlichem Aufschwung, kultureller Blüte und zunehmender politischer Bedeutung. Nach Kriegsende wurde Ehingen zum Dauersitz der Landtage und zum Standort des Direktoriums der schwäbisch-österreichischen Landstände.

Weitere wichtige Einschnitte waren der Brand von 1688, den ein französisches Strafcorps gelegt hatte, und der große Stadtbrand von 1749. Diese Katastrophe verursachte ein unvorsichtiger Eselsknecht. Ein Fünftel der Häuser und Scheuern in der Stadt gingen in Asche und Rauch auf. Ehingen brauchte mehrere Jahrzehnte, um sich von diesem Rückschlag zu erholen.

1805, nach dem verlorenen Krieg gegen Frankreich, mußte Habsburg im Frieden von Preßburg seine Vorlande an die französischen Verbündeten abtreten. Im weiteren Verlauf der Geschichte kam Ehingen an das spätere Königreich Württemberg. Die vorausgegangenen über viereinhalb Jahrhunderte unter dem habsburgischen Doppeladler haben jedoch Spuren hinterlassen, die auch heute noch im Stadtbild Ehingens deutlich sichtbar sind.

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Der Spritzenmuck
In der Chronik der Stadt Ehingen ist eine heitere Begebenheit aus dem Jahre 1859 vermerkt, wo sich folgendes zugetragen haben soll:

Am Abend des 27. August 1859 gab es einen Feueralarm in Ehingen. Es wurde gemeldet, dass im Turm der "Unteren Kirche", der heutigen Liebfrauenkirche, ein Brand ausgebrochen sei. Es wurde getrommelt und Feuerreiter losgeschickt. Die Feuerwehr rückte mit Spritzen und Wassersaugern an. Gespannt verfolgte eine ansehnliche Menschenmenge diesen Einsatz. Plötzlich aber wurde festgestellt, daß keine Rauchwolken aus dem Kirchturm kamen. Vielmehr hatte sich ein großer Mückenschwarm im Abendsonnenglanz um den Turm gesammelt und dies sah von weitem aus wie eine Rauchsäule.

Alles ging beschämt vom Platz.

Seit dieser Zeit nennt man die Ehinger "Muckenspritzer".

Aus diesem Spottnamen haben die Ehinger aber inzwischen einen Namen gemacht, der bei der Fasnet einen guten Klang hat. Die Ehinger Narrenzunft nennt sich "Spritzenmuck" und ist seit den Zwanziger Jahren Mitglied der großen Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte. Auch nehmen es einem die Ehinger nicht übel, wenn man sie als "Muckenspritzer" hänselt. Sie könnten ihren Humor nicht besser beweisen, als daß sie den Helden jener heiteren Episode zum Lokalhelden und zugleich zur Hauptfigur ihrer traditionsreichen Fasnet machten. Mit allen Sympathien der Bevölkerung ausgestattet, wird der "Spritzenmuck" von Generation zu Generation weiter getragen.

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